Die Westküste der Südinsel

Rau, regnerisch und wunderschön!
Zumindest haben wir die Westküste der Südinsel so erlebt. Der Abschnitt von Westport bis Greymouth zeigte sich uns von der stürmischen Seite und hat uns doch irgendwie fasziniert. Die Gegend war bis vor einigen Jahren noch bekannt für Kohlegewinnung und ursprünglich für den Goldgräberrausch. Heute wirkt die Gegend zumal verlassen, vom tropischen Regen gebeutelt (je nach Abschnitt zwischen 2000 und 8000 mm Regen/Jahr) und es gibt nur wenige Jobs, wie man uns berichtete. Es erschien uns, als wenn die Menschen, die dort leben, ihr Glück woanders suchen möchten, denn in regelmäßigen Abständen standen Schilder vor den Wohnhäusern „for sale“ (zu verkaufen).

Unser erster Stopp war ein ca. 3 Kilometer nördlich von Charleston gelegener Lookout (Aussichtpunkt) direkt am Meer, unsere erste Begegnung mit der Westküste. Als wir dort ankamen, war es menschenleer. Nach den vielen Reisenden, die wir vorher bei diversen Stränden und Lookouts getroffen haben, waren wir angenehm überrascht und genossen die Einsamkeit. Der Lookout ist eine Brandung die ca. 150m vom Strand ins Meer ragt. Um den Aussichtspunkt, das äußerste Ende des Felsens, zu erreichen, muss man über Steine klettern, sich durch Gebüsche kämpfen, über den Felsen klettern, um am Ende über eine kleine schmale Brücke zu gehen.

Der Aufstieg lohnt sich. An unserem Ankunftstag war die See stürmisch, das Wetter verregnet und die Sicht diesig. Es war Flut und die Wellen rollten in regelmäßigen Abständen wie 2-3m große Mauern an. Unaufhaltsam rauschten Sie in die Bucht und zerschellten an den Felsen. Das Schauspiel wiederholte sich wieder und wieder. Wie hypnotisiert stand ich auf dem Felsen, schaute aufs Wasser und konnte nicht wegsehen: Die Kraft der Wellen, die Geräuschkulisse, wenn sie am Felsen zerschellten, der Nieselregen, der Wind. Es hat etwas Angsteinflößendes und ist doch wunderschön zugleich.

In diesem Moment versank ich ganz in meine Gedanken: Ich bin dankbar für diese ganze Reise, welche wir seit mehreren Wochen erleben dürfen. Sie ist nicht nur Sightseeing, sie ist auch eine Reise zu mir und zu uns selbst. Eine Reise, in der ich mir die Zeit nehme, zu reflektieren, zu verarbeiten, was war und zu überlegen, was sein wird. Es fühlt sich lebendig an.
Im Arbeitsalltag und den täglichen Routinen kommt dieser Prozess oft zu kurz. Er geht schlicht weg unter, weil die To-Do-Listen abgearbeitet werden müssen und scheinbar trotzdem immer länger werden anstatt kürzer. Dabei ist es doch eigentlich so wichtig, inne zu halten und sich zu besinnen, was einen antreibt, was einem wirklich wichtig ist im Leben.

Meine Gedanken werden durch Vogelgeschrei unterbrochen. Ein Austernfischer-Vogelpärchen  scheint mich zu erinnern, dass ich hier auf dem Felsen nur zu Gast bin.
Meine Sachen waren durchnässt und ich machte mich zurück auf den Weg zum Wohnmobil, wo Annica und unser Sohn schon warteten.

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Uns gefiel diese Location so gut, dass wir kurzerhand entschieden eine Nacht da zu bleiben. Den Campervan quasi am Rand des Strandes parkend, verbrachten wir die Nacht dort und den nächsten Tag. Auch am nächsten Tag waren nur ein paar einzelne Besucher am Strand und grüßten uns fast schon erleichtert, dass sie noch anderen Menschen begegneten. Auch bei diesigem Wetter hat es Spaß gemacht zu baden und bei Ebbe ließ es sich auch gut mit dem Kinderwagen am Strand laufen. Unser Sohn schien die Ruhe ebenfalls zu genießen und schlief stundenlang tief und fest.

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Unsere Reise führte uns weiter Richtung Süden, vorbei an Charleston entlang der Coast Road. Der Name ist Programm. Die Straße führt an steilen Abhängen entlang. Links die Felswand und rechts das Meer. Da in Neuseeland Linksverkehr herrscht, blieb uns so mancher Anblick die Felswände herunter verwehrt oder erspart, je nachdem, wie man es sieht. Leider konnten wir aber auch so manchen weiteren Aussichtspunkt nicht ansteuern, weil das Überqueren der Gegenfahrspur auf der engen, nassgeregneten  und kurvigen Straße zu gefährlich schien. Unser Tipp deshalb: Wenn man sich also entscheiden sollte, die Coast Road entlang fahren zu wollen, dann sollte man die Routenplanung so wählen, dass man die Meeresseite links von sich hat. Für die Westküste würde das also bedeuten, von Süden nach Norden fahren.

Coast road

Auf er Fahrt nach Greymouth machten wir einen Halt bei den Pancakerocks. Eine Felsformation, die wie auf einander geschichtete Pancakes aussieht. Die Pancakerocks sind ein beliebter Zwischenstopp für viele Reisende. Der Rundweg um die Felsen ist super ausgebaut, dauert ca. 30 min und man kann den größten Teil der Felsen mit dem Kinderwagen abfahren. Bei einem kleineren Teil des Weges ist es zu eng und zu stufig für den Kinderwagen und es bleibt nur noch das Tragen oder man läuft auf demselben Weg zurück. Ca. 1 km hinter den Pancakerocks in Richtung Süden gibt es einen am Strand gelegenen Parkplatz (siehe Campermate), auf dem auch gecampt werden darf. Dort haben wir eine Nacht geschlafen. Allgemein lässt sich an der Westküste sehr gut frei campen und die Möglichkeiten quasi direkt am Strand zu stehen; sind an verschiedenen Stellen möglich. Wir haben das freie Campen zweimal hintereinander entlang der Westküste genutzt; auf unserem Weg zu den Gletschern Franz Josef und Fox….

 

 

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